Wo befinde ich mich gerade?

Mittwoch, 1. April 2009

How are you today?

Mit diesem Satz wurden wir eigentlich jeden Morgen von Barry, unserem irischen Farmer und seiner Frau begruesst. Und meistens bekam er von zwei verschlafenen Backpackern (uns) ein: it's alright. Wenn er uns jedoch heute fragen wuerde, bekaeme er ein really good! Der Grund ist, wir sind fertig mit arbeiten und startklar fuer die naechste Etappe: Adelaide-Alice Springs-Uluru-Perth (6000 km).

Doch zuerst, wie versprochen, ein paar Zeilen zu unserem ueber 2 Monate dauernden Stop in Mildura.

"Mildura lockt mit ueber 300 Sonnentagen im Jahr und macht mit vielfaeltigen Freizeitgestaltungsmoeglichkeiten furore", so oder so aehnlich beschreibt unser Reisefuehrer die Stadt. Wobei ich ihm bei den 300 Sonnentagen 110%ig zustimme, denn in den letzten 2 Monaten haben wir definitiv gelernt was es heisst zu schwitzen. Kurz nachdem wir unser Zelt aufgeschalgen hatten, stieg die Temp. auf ca. 50 Grad und wollte dort auch gute 2 Wochen verweilen. In dieser Zeit versucheten wir Arbeit zu finden, aber schon beim Nichtstun floss der Schweiss. Unser Ziel hiess also: Stundenlohn, denn wir wollten uns nicht ausmalen was passiert wenn wir bei dieser Hitze noch nach Leistung bezahlt werden.

Nach zwei wirklich schlechten Farmen wo wir leistungsbezogen arbeiteten, wurden wir endlich 5km oestlich von Mildura in Nichols Point fuendig. Wir nannten den Farmer zuerst Karotten-Man. Denn er sagte zu uns wir koennen bei ihm carrons (eine Art Rosinen) pfluecken , wir verstanden aber carrots und wunderten uns, da wir weit und breit nur Weinstoecke sahen.

Jetzt nach getaner Arbeit, glaube ich konnte uns nichts besseres passieren als auf dieser Farm zu arbeiten. Wir wurden von Anfang an "Um-Muttert" als gehoerten wir zur Familie. Sei es das Eis fuer unsere Kuehlbox oder porttable Toilette oder jeden Morgen um 9 Uhr Fruehstueck (die sogenannten SmoCo). Es laesst sich noch vieles Weitere aufzaehlen und ob das nicht schon genug ist, konnten wir die letzten drei Wochen sogar in dem Haus seines verstorbenen Vaters wohnen. Man kann sich gar nicht vorstellen wie schoen es ist nach 4 Monaten mal wieder in einem Bett zu schalefen! Es war ein Traum, den wir in der Regel 10 h am Tag genossen haben.

Unsere Arbeit bestand zum Grossteil darin, carrons und sultanas vom Reebstock zu schneiden um damit die unzaehligen Metallboxen zu fuellen. Diese kommen anschliessend auf ein Regal und werden an der Luft getrocknet. Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Unser groesster Gegner war wieder die Hitze. Meistens lag die Temp. zwischen 30 und 40 Grad im Schatten und wir arbeiteten 10-12h taeglich in der prallen Sonne. Aber auch unzaehlige Spinnen zwischen den Reeben machten vor allem Hannes zu schaffen, dessen Verhalten sich des oefteren einer starken Spinnenphobie annaeherte. Wir hatten aber auch jede Menge Spass, vor allem mit den anderen pickern die alle nicht unter 60 Jahre jung waren. Das schoene ist, dass Alle Australier sind und wir somit gezwungen waren englisch zu sprechen.

Die ersten 2 Wochen pflueckten wir mit George, Raylene, Alf und Evan. Alf und Evan, beide ueber 75, pfluecken schon seit 15 Jahren fuer Barry. Sie haben aber nach 14 Tagen das Pfluecken beendet da sie eben nicht mehr ganz so jung sind und wahrscheinlich das Geld nicht so dringend benoetigen wie wir. Alf faehrt einen Ford F150 70er Baujahr. Ich war natuerlich von diesem riesigen Auto angetan und sagte ihm, dass man sich so ein Auto in Deutschland normalerweise nicht leisten kann. Er fragt mich verwundert warum. Ich antwortete: wegen dem Verbrauch, und er: der verbraucht dochnur 25 Liter! Das sind eben die Aelteren Australier!

George und Raylene genauso lang wie wir. George bekam von uns den Spitznamen bloody-George, erstens ist jedes zweite Wort von ihm bloody und zweitens schneidet er sich regelmassig mit seinem Messer an der unmoeglichsten Stellen. Mit diesen Beiden haben wir meisten den Abend unseres freien Tages verbracht.
So wurden wir zum Beispiel in die hiesige Clubszene eingefuehrt. Wer jetzt an eine ordentliche Disko mit einer Menge Jugendlichen denkt liegt falsch. Ein Club in Australien beinhaltet und definiert sich naemlich folgendermassen: ein schickes Restaurant, eine ordentliche Bar, ein paar Flachbildschirme, eine Smoking-Area und jetzt kommt's: unmengen von Pokermaschinen. An diesen Pokie's sitzen die Australier und verspielen ihren Wochenlohn (und manchmal auch mehr), so auch George und Raylene. Hannes und ich, wir haben es uns meistens hinter der Bar gemuetlich gemacht und der australischen Bierwirtschaft finanziell unter die Arme gegriffen.
Ansonsten waren wir mit den Beiden bowlen wobei das Team old das Team young klar geschlagen hat. Einigemale haben sie auch fuer uns und wir fuer sie gekocht, dabei war das Silverside Roast von ihnen der absolute Genuss.

George und sein Kumpel Leo haben uns auch noch beim Oelwechsel (inkl. Oelfilter und Fuelfilter) geholfen. Dabei sind 8 der 10 Liter Mototoel ins Erdreich gelaufen da der Behaelter nicht dicht war. Anschliessend kam die passende Antwort von Barry: Es kommt von der Erde, es geht zurueck in die Erde. Typisch Australisch eben - no worries!

Ausser dem neuen Oel hab ich dem Auto noch ein paar vordere Bremsscheiben und einen 2ten Reservereifen spendiert. Ein Rundumcheck fuer das Outback wurde auch gemacht, so das wir sicher sind dass uns das Auto auch an unser Ziel bringt.
Als Kroenung haben wir noch einen Roofbasket fuer zusaetsliches Wasser und Diesel gekauft. Barry hat uns eine Halterung fuer den 2ten Ersatzreifen geschweisst der hinter dem Korb Platz findet. Somit sind wir hoffentlich bestmoeglich auf das Outback vorbereitet.

Mit dem Traubenpfluecken sind wir jetzt seit ca. 10 Tagen fertig. In den letzten Tagen haben wir als eine Art "farmers-right-hand" gearbeitet. Wir haben mit geholfen die getrockneten Trauben von den Regalen in grosse Boxen zu bekommen. Dabei konnten wir auch Traktor fahren und eigentlich war es mehr Spass als Arbeit.

Ich glaube wir werden Mildura in einer positiven Erinnerung behalten, obwohl wir hier einige Liter Schweiss gelassen haben. Aber wir haben auch einige sehr nette Menschen kennen gelernt und hatten einen Einblickin das wirkliche Australien.

Das war es soweit von mir fuer euch! Wahrscheinlich habe ich erst wieder an der Westkueste Gelegenheit den Blog zu aktualisieren!

Euch ein frohes Osterfest und denkt an uns wenn wir durchs Outback streifen!

Euer Crocodile Dundee