Nach einer etwas laengeren schoepferischen Pause folgt hier mal wieder eine Berichterstattung unserer vergangenen Reise- und Arbeitswochen.
Los ging es diesmal in Port Hedland in dem wir leider vergebens nach Arbeit suchten. Unser naechstes Ziel – Broome – liegt ca. 600 km nordoestlich von Port Hedland am Indischen Ozean. Nach einer gemuetlichen Tagesreise, durch eher unspektakulaere Landschaft wo sich Spinnifex und das grosse Nichts abwechseln, erreichten wir am spaeten Nachmittag Broome.
Broome ist das Synonym fuer exotische Straende und ist ein Zufluchtsort fuer junggebliebene Hippies, ausserdem ist die Stadt durch ihre Perlentaucherindustrie bekannt geworden. So war es also kein Wunder das wir als allererstes an DEN Strand in Broome, den sogenannten Cable Beach, gefahren sind. Hier kann man mit seinem Auto direkt ans tuerkisblaue Wasser fahren und den Sonnenuntergang geniessen, was wir dann auch gemacht haben.
Ausserdem giebt es zum Sonnenuntergang gefuehrte Kameltouren am Strand, welche einen bleibenden Eindruck des Cable Beach bereiten. Den naechsten Tag widmeten wir voll und ganz unserem, durch die Arbeitssuche in Port Hedland, geschundenen Geist und Koerper. So verbrachten wir einige Zeit auf dem japanischen und chinesischen Friedhof wo viele Perlentaucher aus dem Anfang des 20 Jh. begraben sind. Auch Heute noch ist einiges aus dieser Zeit in der Satdt zu spueren und an dem typ. asiatischen Baustil der Innenstadt zu erkennen. Den Nachmittag verbrachten wir am weissen Sandstrand an dem man bei Ebbe 120 Mio. Jahre alte Dinosaurierspuren bewundern kann.
Noerdlich von Broome befindet sich die Halbinsel Dampier Peninsula die ueber eine 200 km lange, etwas holprige, sandige Piste zu erreichen ist und mit wunderschoenen Lagunen aufwartet.
Dort sind wir mit Haien geschwommen und mit Kajaks in See gestochen um Riesenschildkroeten aufzustoebern. Wir haben dort ein wirklich nettes Professorenpaar kennengelernt mit denen wir den Abend verbrachten.
Zurueck in Broome statten wir uns gruendlich mit Lebensmitteln und Treibstoff fuer unsere naechste Etappe in die Kimberlys aus.
Die zerkluefteteten Kimberlys sind WA’s roher, ungeschliffener Edelstein und eine der letzten Herausforderungen Australiens. Die Landschaft hier ist absolut eindrucksvoll und wunderschoen: grosse Fluesse, donnernde Wasserfaelle, tiefe Schluchten, ruhige Pools und gefaehrliche Krokodile in den meisten Fluessen. Das Alles war fuer uns Anreiz genug diese Region zu entdecken!
Die Hauptstrasse dieser Region ist die unbefestigte Gibb River Road die sich ca. 700 km durch die Landschaft windet, Zugang zu den meisten Attraktionen bietet und auch durch so manche Fluesse fuehrt.
Erste Stationen waren die Windjana Gorge und Tunnel Creek. Die Gorge ist ca. 7 km lang und an manchen Stellen ueber 100 m hoch. Hier wartete schon das erste Dutzend Krokodile auf uns um fuer ein Foto ihre blankgewienerten Zaehne zu praesentieren.
Tunnel Creek ist – ein an sich Krokodilfreier - unterirdischer Flusslauf, dem man mit einer Taschenlampe durch knietiefes Wasser folgen kann. Wie es der Zufall so wollte entdeckten wir gerade hier ein kleines Suesswasserkrokodil was sich wohl verirrt und durch seine roten Augen verraten hatte. Wieder unter freiem Himmel konnten wir wohl behalten die naechsten Gorges in Angriff nehmen.
Im Prinzip sind alle aehnlich und doch hat jede Einzelne etwas ganz Besonderes und somit ihren
Auf der Haelfte der Gibb Road kann man weitere 250 km noerdlicher zu den Mittchel Falls abbiegen. Da die letzten 70 km etwas schwierig zu bewaeltigen sind und durch den relativ tiefen King Edward River fuehren, fliegen die meisten Touristen zu den mehrreihigen, ueber 100 m hohen Mitchel Falls. Ungeachtet dessen setzten wir unseren Weg auf 4 Raedern fort und gelangten auch gluecklich an unser Ziel und zurueck.
Am naechsten Tag wagten wir uns noch weiter noerdlich zum wunderschoenen Surveyers Pool und zum Warrender Lookout. Die letzten 8 km zum Lookout sind extrem steinig und forderten uns komplett. Nach fast 3 h Schleichgang hatten wir eine wunderschoene Aussicht ueber eine tolle Kuesten- bzw. Inselwelt, fuer die sich der Weg voll und ganz gelohnt hat.
Wieder zurueck in der Zivilisation – Kunununarra – kuemmerten wir uns vorrangig um einen Job auf einer Cattle Station. Nach relativ kurzer Zeit hatten wir eine pos. Zusage und mit neuem Elan konnten wir die verbleibende Zeit bis zum Arbeitsstart mit Reisen fuellen.
So besichtigten wir den Lake Argyle , welcher das groesste Suesswasserreservoir in Australien ist.
Nach ein paar gemuetlichen Wanderungen entlang des Sees ging es weiter zum Bungel Bungel National Park der zum UNESCO Weltkulturerbe zaehlt. Das Besondere an diesem National Park sind die unverwechselbaren, gestreiften und rundgeformten Sandsteintuerme. Der National Park bietet eine handvoll Attraktionen die fast alle mit dem Auto erreichbar sind und somit von Touristen bevoelkert werden. Da wir darauf keine Lust hatten, entschieden wir uns fuer einen „overnight walk“ ins Herz der Bungel Bungel. Nach dem unsere Rucksaecke mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und genuegend Wasser und Lebensmitteln bepackt waren ging es fuer unsere Verhaeltnisse relativ zeitig am Morgen los. Vor uns lagen ca. 18 km Weg durch wunderschoene Steinformationen und hohe Schluchten. Verursacht durch den 20 kg schweren Rucksack und dem sandigen Weg, der eigentlich ein ausgetrocknetes Flussbett war, entwickelte sich der Walk zur Strapaze. Am Ende wurden wir durch einmalige Einblicke in die Schluchtenwelt der Bungel Bungel und einen wunderschoenen Campspot belohnt.
Auf unserem Weg zur Cattle Station, die in der Naehe von Port Hedland liegt, passierten wir wieder Broome wo wir den Geburtstag von Hannes gebuertig feierten. Hier verbrachten wir eine Nacht im 5 Sterne Campingplatz direkt am Cable Beach wo wir zahlreiche Korken und Flaschenkronen krachen liessen.
Kurz vor unserer Rinderfarm befindet sich der 80 mile beach wo wir unsere ersten Angelerfahrungen machten. Angeleitet von zwei aelteren, erfahrenen, australischen Paarchen konnten wir einen Fang von einem Schaufelnasenhai (Hannes) und 4 Karpfen vorweisen. Der Hai ging zurueck ins Wasser und die 4 Karpfen in unsere Maegen.
Am 19. Juli erreichten wir De Grey Station die fuer die naechsten 10 Wochen unser Zuhause sein sollte und die Reisekasse aufbesserte. De Grey Station ist eine der groessten privaten Rinderfarmen in Australien. Sie umfasst 410.000 Hektar und 25.000 Rinder.
Unsere Hauptaufgabe besteht eigentlich im Sprayen ungeliebter Gewaechse. Jeder von uns sitzt auf einem Quad und wir fahren gemuetlich am Flusslauf entlang und spruehen einzelne Pflanzen. Klingt gut, ist es auch. Wenn wir nicht sprayen (was ziemlich oft vorkommt) arbeiten wir mit den Rindviehchern in den Yards. Alle Kuehe werden in die Yards getrieben und dort sortiert, kastriert/ sterilisiert, die Ohren markiert und die Hoehrner gestutzt. Das ist dann meistens unsere Aufgabe und an diesen Tagen fuehlt man, dass man mehr Australien nicht erleben kann: DASS IST AUSTRALIEN! In den letzten Tagen durften wir mastern gehen, d.h. Kuehe treiben, was die eigentliche Hauptaufgabe der meisten Arbeiter darstellt. Das ist hier der groesste Spass und man schluckt eine Menge an Staub, verursacht durch die panisch rennenden Rinder. Diese werden hier von richtigen Cowboy‘s mit allen zur Verfuehgung stehenden Mitteln getrieben, dass heisst mit: Pferden, Motorrädern, Quads, Gelaendewagen, Helicopter und Flugzeug! (alles im Privatbesitz der Station)
Wenn wir nicht arbeiten, sind wir angeln oder jagen. So haben wir hier z.B. unser erstes Wildschwein gefangen (mit der Hand) und unser erstes Kaenguruh geschossen.
Die Arbeiter hier sind zumeist alle in unserem Alter und nett. Und so wurden wir von Ihnen zu einem echten Outbackevent eingeladen: Rodeo! Australisches Saufgelage gemuescht mit wuetenden Bullen und schwitzenden Maennern. Fuer uns der geeignetste Platz sich unters Volk zu mischen und die freien Tage zu geniessen.
In den naechsten Wochen werden wir uns weiter in WA aufhalten und uns in Richtung Sueden vorwagen. So liegen z.B. der Karijinin National Park und Exmouth mit seinem wunderschoenen Riff auf unserer Planung. Hannes wird dann Mitte November zurueck in die Heimat fliegen und ich werde mich in Richtung Melbourne aufmachen, wo Anfang Dezember meine Family ankommt und hoffentlich bereit ist, Australien zu entdecken!
Bis dahin Euch alles Gute, ich gebe hier mein Bestes!
Liebe Gruesse
Euer Steffen & Hannes